Ein Staatsvertrag und das Board mit Motor
Nach dem Wortlaut des Staatsvertrags darfst du vor Cannobio kein eFoil fahren, auf Schweizer Wasser ist es ausdrücklich verboten. Es gilt, wie überall auf dem Lago Maggiore, die Übereinkunft zwischen der Schweiz und Italien vom 2. Dezember 1992 über die Schifffahrt auf dem Langensee und dem Luganersee (SR 0.747.225.1; in Italien Gesetz Nr. 19/1997, Gazzetta Ufficiale Nr. 35 vom 12. Februar 1997). Artikel 1 Absatz 1 gibt die Schifffahrt auf beiden Seen jedermann frei, „sofern dabei die Bestimmungen der vorliegenden Übereinkunft und des Reglements beachtet werden“.
Im Reglement steht dann der Satz, an dem dein eFoil hängt. Artikel 43 Absatz 1 schickt alle Fahrzeuge unter 2,5 m Länge, dazu Strandgeräte, Schlauchboote und andere kleine Spielgeräte, in einen Streifen von 150 m am Ufer und endet im italienischen Text so:
„in nessun caso essi possono essere forniti di motore“ (in keinem Fall dürfen sie mit einem Motor ausgerüstet sein)
Art. 43 Abs. 1 des Reglements zur Übereinkunft vom 2. Dezember 1992, SR 0.747.225.1, italienische Fassung
Absatz 2 nimmt Regattaruderboote, Kanus, Kajaks und Sandolini vom Uferstreifen aus, dazu „le tavole a vela e simili“, Segelbretter und Ähnliches. Die Ausnahme gilt nur „purché sprovvisti di motore“, solange sie keinen Motor haben. Eine Klausel, nach der eine Behörde Ausnahmen bewilligen könnte, steht in keinem der beiden Absätze.
Ein eFoil-Board ist kürzer als 2,5 m und hat einen Motor. Nach dem Wortlaut schließt Artikel 43 Absatz 1 es damit aus, im Uferstreifen wie weiter draußen. Kein italienischer, piemontesischer oder Cannobieser Text nennt das eFoil beim Namen, weder in einem Verbot noch in einer Erlaubnis. Durchsetzen muss jeder Staat das Abkommen auf seinem eigenen Gebiet (Artikel 19). Auf dem italienischen Teil kontrolliert der 2° Nucleo Guardia Costiera Lago Maggiore mit Sitz in Solcio di Lesa, der dem Reparto Operativo Laghi untersteht (Dekret Nr. 73/2025 des italienischen Verkehrsministeriums vom 2. April 2025).
Einen Abschnitt des Sees, an dem das eFoil nach dem Wortlaut zulässig wäre, gibt es nicht, denn das Reglement gilt für den ganzen Langensee. Angeboten wird es trotzdem: in Cannobio von zwei Firmen am selben Strand, dazu in Lesa, an der Alice Beach und in Ispra, beschrieben auf der Seite eFoil am Lago Maggiore. Eine Bewilligung für das eFoil zeigt keiner von ihnen vor, auf ihren Seiten stehen eigene Regeln zu Schwimmkönnen, Helm und Instruktor.
Wer auf einen anderen See ausweichen will, fährt weit: bis zum Ortasee rund 40 km Luftlinie, bis Lecco am Comer See etwa 60 km. Diese Einordnung der Texte ist keine Rechtsberatung.
Nördlich von Valmara beginnt Schweizer Wasser
Cannobio ist die letzte Gemeinde am piemontesischen Westufer. Sie gehört zur Provinz Verbano-Cusio-Ossola, liegt an der Mündung des Valle Cannobina und grenzt im Norden an Brissago und an die Centovalli, beide im Tessin. Der Ortsteil Piaggio Valmara liegt praktisch an der Staatsgrenze. Gegenüber, am Ostufer, stößt der Tessiner Gambarogno an Maccagno.
Der Strand, an dem in Cannobio eFoil angeboten wird, liegt außerhalb der Stadt auf der Seite zur Schweiz hin. Fährst du von dort nach Norden, fährst du auf die Grenze zu, und jenseits davon ist die Frage eindeutig beantwortet. Die Schweizer Binnenschifffahrtsverordnung (BSV, SR 747.201.1) gilt nach Art. 1 Abs. 1 für die schweizerischen Gewässer „einschliesslich der Grenzgewässer“. Art. 121 Abs. 5 BSV verlangt, dass Fahrzeuge unter 2,50 m, Strandfahrzeuge, Segelbretter und Kiteboards „nicht mit einem Motor ausgerüstet“ sind.
Der Bundesrat hat das am 1. Februar 2023 in seiner Antwort auf die Interpellation 22.4313 so zusammengefasst: „E-Foils und E-Surfbretter sind in der Schweiz und auf den Grenzgewässern gemäss den rechtlichen Grundlagen nicht zugelassen.“ Das Bundesamt für Verkehr ergänzt, Bretter dürften keinen Motor haben, „unabhängig von ihrer Länge und unabhängig davon, ob sie mit oder ohne Foils ausgeführt sind“. Eine Motion zur Zulassung ist im Parlament hängig; der Bundesrat hat am 19. Februar 2025 beantragt, sie abzulehnen.
Für Geräte, die einem Jetski ähneln, hat das Reglement seit 2012 einen eigenen Artikel. Art. 55a Abs. 1 verbietet auf den schweizerischen Gewässern des Langensees das Fahren mit Wassermotorrädern „oder ähnlichen Geräten“, „unabhängig von der Antriebsart“; für die italienischen Gewässer verweist Abs. 5 auf die lokalen Behörden. Lakeview selbst schreibt auf seiner eFoil-Seite, dass eFoils auf Schweizer Gewässern einschließlich des Schweizer Teils des Lago Maggiore nicht erlaubt sind. Am Tessiner Ufer gibt es keinen eFoil-Anbieter; wer in Locarno oder Ascona Urlaub macht, findet das nächste Angebot in Cannobio. Die Schweizer Rechtslage im Einzelnen: eFoil in der Schweiz.
Lakeview und Follow Me am selben Strand
Wer aus der Schweiz kommt, hat das Ziel erreicht, bevor Cannobio beginnt: An der SS34, Strada Nazionale 3, rund 800 m vor dem Ortsschild, hat das Lakeview Cannobio Camping & Resort seinen Privatstrand, und dort sitzt das Lakeview eFoil Center ↗. Es nennt sich „offizieller Aerofoils Partner für den Lago Maggiore“, gefahren wird auf dem Audi e-tron foil von Aerofoils. Gebucht wird an der Rezeption. Das Resort tritt nach eigenen Worten nur als Vermittler auf, den Unterricht geben seine Instruktoren.
eFoil gibt es bei Lakeview ausschließlich als Einzelunterricht. Ein Board mieten dürfen nur erfahrene Fahrer, und auch die erst nach einer bezahlten Einführungsstunde; als Anfänger kommst du um den eFoil-Kurs nicht herum. Daneben betreibt Lakeview eine Wassersportschule für SUP, Wingfoil und eFoil. Den Wing lernst du dort als Einsteiger oder mit Vorkenntnissen, allein oder mit anderen, und wie lange, wird vereinbart. Der SUP-Kurs dauert eine Stunde und findet ab vier Teilnehmern statt. Vermietet werden SUPs, Kajaks, ein großes Tretboot mit Rutsche und ein 6 m langes Boot mit 40 PS, für das du keinen Führerschein brauchst. Die Website gibt es auf Deutsch und Englisch.
Die zweite Adresse sitzt am selben Strand. Follow Me Adventures ↗ steht im Verzeichnis des Tourismusbüros von Cannobio mit Wingfoil, eFoil und SUP, Basis am LakeView-Strand rund 1 km vor der Stadt, Saison Mai bis September. Das Schnupperangebot „Let’s Try“ dauert anderthalb Stunden: eine halbe Stunde an Land, eine Stunde auf dem Wasser, für eine Person, Neoprenanzug, Helm und Weste inklusive. Laut Anbieter kostet es rund 170 €. Dazu kommen ein „Corso PRO“ und Touren. Die Seiten sind überwiegend italienisch.
Follow Me verlangt, dass du sehr gut schwimmst, eine Hausregel des Anbieters und kein Gesetz. Für den Wing nennt Follow Me etwa 160 € für den Schnupperkurs und 370 € für den ganzen Kurs, der erst ab zwei Personen stattfindet. Gegenüber in Maccagno unterrichtet die Foilschool im Parco Giona Wingfoil mit höchstens vier Leuten pro Kurs, das Material stellt die Schule. Die ersten Flüge auf dem Foil stehen dort erst im „Corso Avanzato“ auf dem Plan. Wie ein Wingkurs aufgebaut ist, liest du unter Wingfoil-Kurs.
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| Anbieter | Angebot | Listenpreis | Website |
|---|---|---|---|
| Lakeview eFoil Center | eFoil Einzelunterricht; Miete nur für Erfahrene nach bezahlter Einführungsstunde | - | Deutsch, Englisch |
| Lakeview Wassersportschule | Wingkurs einzeln oder in der Gruppe; SUP-Kurs 1 Stunde ab 4 Personen | - | Deutsch, Englisch |
| Follow Me Adventures | eFoil „Let’s Try“, 1,5 Stunden, eine Person, Ausrüstung inklusive | rund 170 € | überwiegend Italienisch |
| Follow Me Adventures | Wingfoil Schnupperkurs | ca. 160 € | überwiegend Italienisch |
| Follow Me Adventures | Wingfoil ganzer Kurs, ab 2 Personen | 370 € | überwiegend Italienisch |
| Foilschool, Maccagno | Wingkurse mit höchstens 4 Personen, Material gestellt | - | - |
Lido, Altstadt und Schiffsteg von Cannobio
Der Torrente Cannobino teilt die Gemeinde: auf der einen Seite die Stadt, auf der anderen der Ortsteil Traffiume. Am Wasser der Stadt liegt der Lido di Cannobio, mehrfach mit der Blauen Flagge ausgezeichnet. Vom Parco Lido führt ein Weg den Cannobino hinauf bis zum Ponte Ballerino und zur Schlucht Orrido di Sant’Anna, ein guter Plan für den Nachmittag, wenn draußen der Wind steht. Vom Touring Club Italiano trägt Cannobio die Bandiera arancione.
Sonntags ist in Cannobio Markt, donnerstags gibt es zusätzlich einen Markt mit Lebensmitteln. Am Schiffsteg legen die Schiffe der Navigazione Laghi an: die Linie von Arona herauf, die Linie Cannero, Luino, Cannobio quer über den See, dazu Kurse und Tragflügelboote nach Locarno, Ascona und zu den Borromäischen Inseln. Ans Ostufer kommst du so, ohne mit dem Auto um das Nordende des Sees zu fahren.
Zum eFoil kommst du nicht über den Lido. Eine öffentliche Einstiegsstelle für eFoils hat keine Behörde am See ausgewiesen, gestartet wird am Strand von Lakeview außerhalb des Ortes, und auf diesen Strand kommst du über den Anbieter. Ein eigenes Board am Stadtstrand zu Wasser zu lassen, wäre doppelt schief: Dort baden Leute, und Artikel 43 gilt auch hier.
150 m Uferstreifen, 200 m Abstand zum Steg
Am piemontesischen Ufer regelt das Dekret 5/R der Region Piemont vom 22. Juni 2009, wer wo fahren darf. In den ersten 150 m vor dem Ufer sind nach Art. 2 nur Segel-, Ruder- und Tretboote, Segelbretter, Linienschiffe und Fischer unterwegs. Motorboote kreuzen diesen Streifen im rechten Winkel und mit höchstens 10 km/h, auf dem Weg hinaus oder herein. Jetskis und ähnliche motorisierte Geräte gehören nach Art. 9 nur jenseits der 150 m aufs Wasser. In diesem Uferstreifen liegt der Lido, und in ihm schwimmen die Badegäste.
Bretter halten sich von den Routen der Linienschiffe fern und bleiben mindestens 200 m von öffentlichen Anlegestellen weg (Art. 10 und 11). Vor Cannobio heißt das: Um den Schiffsteg und die Fahrlinien der Schiffe machst du einen Bogen.
Fürs Wingfoil gibt es auf dem See keine eigene Vorschrift. Der Wing hat keinen Motor, die Motorklausel aus Artikel 43 trifft ihn nicht, und am nächsten liegen die Regeln für Segelbretter aus Art. 10 des Dekrets 5/R. Danach fährst du ab einer Stunde nach Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, hältst 10 m Abstand zu anderen, trägst immer eine Rettungsweste und bleibst den Linienrouten fern. Fürs SUP verlangt Art. 11 „con lago calmo e con buone condizioni meteorologiche“, ruhigen See und gutes Wetter; vom 150-m-Streifen nimmt Artikel 43 Absatz 2 Kanus und Ähnliches ohne Motor aus.
Mit dem Kite wird es um Cannobio eng. Im Golf von Locarno und im Golf von Ascona verbietet das Tessin Kitesurfen (RL 781.110, Art. 7), und auf der piemontesischen Seite ist der Kite zwischen den Castelli di Cannero und der Küste verboten.
Wann der See glatt ist und wie warm er wird
Bei Hochdruckwetter läuft der Wind am oberen See im Sommer nach einem Muster. Nachts und früh am Morgen kommt die Tramontana von Norden. Gegen Ende des Vormittags oder am frühen Nachmittag setzt von Süden die Inverna ein und zieht den See hinauf. Laut Lakeview weht morgens oft nur ein leichter Nordwind, nachmittags die Inverna, und zum Abend hin wird es wieder ruhiger. Am schönsten sei das eFoilen am Morgen, wenn der See häufig noch spiegelglatt daliegt.
Die ersten Fahrten auf dem eFoil legst du nach unserer Einschätzung am besten in den Morgen oder den frühen Abend, wenn das Wasser flach ist. Die Inverna am Nachmittag ist das Fenster für den Wing. Frischt einer der beiden Winde ungewöhnlich stark auf, kündigt das nach der RSI, dem Tessiner Rundfunk, einen Wetterumschwung an. Im Sommer kommen Gewitter dazu. Der Maggiore, ein kräftiger Wind aus Nordost mit hohen Wellen, kann bis zu drei Tage wehen, vor allem im Winter, also außerhalb der Kurssaison. Aktuelle Werte und die Statistik für den Ort zeigt Windfinder für Cannobio ↗.
Follow Me nennt als Saison Mai bis September. Gebadet wird von Juni bis September. Im Mai und im Oktober liegt das Wasser um 15 °C, und wer dann ins Wasser fällt, ist für einen Neoprenanzug dankbar. Im Juli und August erreicht der See vor Cannobio 23 bis 24 °C.
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| Monat | Wasser |
|---|---|
| Mai | ca. 15 °C |
| Juni | ca. 20 °C |
| Juli | 23-24 °C |
| August | 23-24 °C |
| September | ca. 20 °C |
| Oktober | ca. 15 °C |
Über Brissago oder Verbania, und wo du parkst
Mit dem Auto aus Deutschland führt der Weg durch die Schweiz: A2 oder A13 bis Bellinzona Süd, weiter über Locarno und Brissago zum Grenzübergang Valmara. Dahinter beginnt die SS34, und rund 800 m vor dem Ortseingang von Cannobio liegt Lakeview direkt an der Straße. Für die Schweizer Autobahn brauchst du die Vignette, die es auch als E-Vignette gibt; auf den italienischen Autobahnen zahlst du Maut. Von Süden, etwa aus Mailand, nimmst du die A26 bis Gravellona Toce und dann die SS34 über Verbania am Ufer entlang nach Norden.
Ohne Auto geht es mit dem Zug nach Locarno oder nach Verbania-Pallanza und von dort mit dem Bus weiter. Ab dem Bahnhof Locarno fährt die Linie 316 nach Brissago, dort steigst du in die Linie 3 von VCO Trasporti Richtung Cannobio um. Für Lakeview heißt die Haltestelle „Bivio Sant’Agata“. Die nächsten Flughäfen sind Mailand Malpensa und Zürich. Vom Ostufer setzt du mit dem Schiff von Luino über.
Ein Wingboard oder SUP nehmen die Linienschiffe nur als bezahltes Sondergepäck mit, und ob es an Bord darf, entscheidet der Kapitän; gefährliche Güter befördern sie gar nicht. Ein eFoil musst du nicht mitbringen, das Board stellt der Anbieter.
Geparkt wird in Cannobio nach der Parkordnung der Gemeinde auf vier Arten: am Parkscheinautomaten, mit Dauerkarte, mit Parkscheibe für eine begrenzte Zeit oder kostenlos ohne Zeitlimit. Am Sonntag, wenn Markt ist, sind die Plätze im Ort schneller belegt. Einen Überblick über die übrigen Ufer, von Lesa bis Ispra, gibt die Seite eFoil am Lago Maggiore, alle Länder mit ihren Regeln stehen unter eFoil Regeln.





