Die Marke Frauscher
Seit 1955 baut Frauscher Elektroboote. Das macht die österreichische Werft wirklich besonders, denn als E-Antriebe auf dem Wasser in Mode kamen, hatte sie schon Jahrzehnte Erfahrung damit. Dass der Name seit Generationen für Luxus auf dem See steht, kommt noch dazu. Heute entstehen in Ohlsdorf bei Gmunden Premium-Dayboats und Sportboote, und die Modellpalette wächst weiter.
Auf den österreichischen Seen, wo Verbrennungsmotoren vielerorts stark eingeschränkt sind, wurde das leise, elegante elektrische Dayboat zur natürlichen Bootsform. Vom Bodensee und von den bayerischen Seen kennt man dieselbe Seekultur: kurze Ausfahrten, ein Badestopp im tiefen Wasser, abends eine Runde in den Sonnenuntergang mit Familie oder Freunden.
Wie viel Prestige in der Marke steckt, sieht man an der Autoindustrie. Porsche hat seine elektrischen Sportboote gemeinsam mit Frauscher entwickelt, und unter dem Namen Frauscher x Porsche laufen inzwischen die 850 Fantom, die 850 Fantom Air und die 790 Spectre. Einen ähnlichen Weg ist ABT Sportsline mit der ebenfalls österreichischen Werft Marian gegangen, heraus kam das M 800-R.
Die jahrzehntelange Erfahrung ist mehr als Marketing, nur wurde nicht jeder elektrische Frauscher auch als Elektroboot gezeichnet. Laut Porsche basiert die 850 Fantom Air auf der 858 Fantom Air, einem Daycruiser, den Frauscher mit einem V8 von MerCruiser anbietet, und übernimmt deren 8,67 m langen Rumpf außen fast unverändert. In der Firmenchronik von Frauscher stehen die elektrische 740 Mirage und das Motorboot 747 Mirage 2014 als gemeinsamer Eintrag, beide 7,47 m lang. Bei der 790 Spectre liegt der Fall anders. Sie wurde laut Frauscher von Grund auf um den elektrischen Antrieb von Porsche herum konstruiert, auf einem neu entwickelten Leichtbaurumpf. Bei einem so gezeichneten Boot lassen sich Rumpf, Gewichtsverteilung und Antrieb sauber aufeinander abstimmen, statt dass ein E-System nachträglich in eine Konstruktion für einen Verbrenner wandert. Unterwegs hörst du Wasser und Wind, keinen Motor. Bei einem Premium-Dayboat zählt diese Ruhe mehr als fast alles andere.
Und dann ist da die Kontinuität. Bei einer Marke, die seit Jahrzehnten am Markt ist und ihr Programm laufend ausbaut, bleiben Servicenetz, Ersatzteilversorgung und Wiederverkaufswert mit höherer Wahrscheinlichkeit erhalten als bei einer jungen Marke. Bei einem Kaufpreis in dieser Höhe spielt das eine große Rolle.
Frauscher in Aktion
Offizielle Bilder und die komplette Modellpalette: frauscherboats.com ↗

Modelle
Aus dem Elektro-Programm von Frauscher stechen drei Modelle heraus. Den Anfang macht die 650 Alassio, ein klassisches, elegantes Dayboat für den See. Einen Preis schreibt Frauscher nicht dazu, hier so wenig wie bei den größeren Modellen.
Die 740 Mirage Air zeigt die sportliche Seite der Marke. Auf ihrer Modellseite führt die Werft eine eigene Staffel von 50 bis 137 kW mit Akkus von 48 bis 63 kWh. Einen Zulieferer für den Antrieb nennt sie dort nicht. An der Spitze stehen die Frauscher x Porsche 850 Fantom und Fantom Air, in denen der Antriebsstrang des Porsche Macan EV arbeitet: 400 kW in der Spitze, 170 kW Dauerleistung und ein 100-kWh-Akku. Die beiden Leistungsangaben meinen Verschiedenes: 170 kW hält der Antrieb laut Frauscher dauerhaft, die 400 kW ruft er nur als Spitze ab.
Die Staffelung liest sich so: die 650 Alassio als ruhiger, eleganter Einstieg, die 740 Mirage Air als sportlicher Mittelweg, die 850 Fantom als Technologieträger und Statussymbol. Der Vergleich unten führt nur Werte, die Frauscher selbst veröffentlicht. Ausstattung und Verfügbarkeit ändern sich öfter. Den aktuellen Stand erfährst du beim Händler.
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| 650 Alassio | 740 Mirage Air (elektrisch) | 850 Fantom / Fantom Air | |
|---|---|---|---|
| Charakter | Elegantes elektrisches Dayboat | Sportliches Luxusboot | Frauscher x Porsche Topmodell |
| Antrieb | Elektrisch | Elektrisch, 50 bis 137 kW / 48 bis 63 kWh | Porsche Macan EV Antriebsstrang, 400 kW Spitze (170 kW dauerhaft) / 100 kWh |
| Listenpreis | vom Hersteller nicht veröffentlicht | vom Hersteller nicht veröffentlicht | vom Hersteller nicht veröffentlicht |

Welches Modell passt zu dir?
Hinter dem Sammelbegriff „elektrisches Dayboat“ stecken drei Charaktere und drei Käufertypen. Die Frage, die vor dem Preis kommt, ist eine andere: Wie und mit wem verbringst du die meiste Zeit auf dem Wasser?
- Entspanntes Familien-Bootsleben. Badestopps, Sonnenuntergangsrunden, ein komfortables, elegantes Tempo: Wer so fährt, landet beim klaren Charakter der 650 Alassio. Unter ihr steht in der elektrischen Palette der Marke einzig die kompaktere 610 San Remo.
- Sportliches Fahren. Sollen auch Beschleunigung und Dynamik zählen, ist die 740 Mirage Air mit bis zu 137 kW in der stärksten Stufe der sportlichere Weg, und auf Premium-Komfort verzichtest du auch hier nicht.
- Prestige und Technologie. Stehen Markenerlebnis und Spitzentechnik im Vordergrund, ist die Frauscher x Porsche 850 Fantom mit dem Antriebsstrang des Macan EV das obere Ende des Programms.
Eine reine Geschmacksfrage ist die Modellwahl aber nicht. Es zählt, wie viele Personen bei euch mitfahren, wie lang eure Ausfahrten sind und wo das Boot liegen soll. Für einen kurzen Badetag ist eine andere Größe ideal als für ganztägige Touren. Und wenn du mehrere Marken vergleichst, gehören die anderen Premium-Elektrowerften mit auf die Liste, etwa das schwedische X Shore oder Marian aus Österreich.
Laden und Betrieb in der Praxis
Zwei Fragen bestimmen den Alltag mit einem Elektroboot: Wie weit komme ich, und wo lade ich? Eine feste Zahl für die Reichweite gibt es nicht, dafür hängt sie zu stark von Tempo und Fahrweise ab. In ruhiger Verdrängerfahrt hält eine Ladung deutlich länger durch als bei Dauervollgas in Gleitfahrt, so wie ein Elektroauto in der Stadt weiter kommt als auf der Autobahn. Was beim jeweiligen Modell für dein eigenes Nutzungsprofil realistisch ist, sagt dir am besten der Händler.
Beim Laden ist es am bequemsten, wenn das Boot dort liegt, wo auch Strom ist: Hängt es im Hafen an einer Ladesäule, sind die meisten Konfigurationen über Nacht voll, sofern die Säule das Ladegerät an Bord auch versorgen kann. Frauscher nennt für die Mirage Air mit 48 kWh eine Ladeleistung von 9 kW und für die Version mit 63 kWh 6,6 kW AC, Porsche gibt für die Fantom mit 100 kWh bis zu 11 kW AC an. Eine Alassio mit 48 kWh braucht am serienmäßigen 3-kW-Lader aber rund 16 Stunden, bis der leere Akku wieder voll ist, es sei denn, du bestellst das Schnellladepaket mit 9 kW. Landstrom am Liegeplatz gehört in vielen Marinas inzwischen zur Grundausstattung, und die Ladeinfrastruktur an den großen Seen wächst. Ob dein Wunschhafen genug Anschlussleistung für ein Boot dieser Klasse bietet, klärst du aber vorab, bevor das Boot dort seinen Liegeplatz bekommt.
Im Betrieb spielt der E-Antrieb seine Einfachheit aus: kein Ölwechsel, kein aufwendiges Saisonende wie beim Benziner, weit weniger bewegte Verschleißteile. Was bleibt, sind die Pflege des Akkus und ein durchdachtes Winterlager, und bei solchen Details helfen Händler und Werkstatt mit Rat, der zum konkreten Modell passt.

Warum ein Frauscher auf deutsche Seen passt
Frauscher-Boote kommen aus dem Nachbarland und sind für österreichische Seen gebaut, und Größe, Charakter und Einsatzprofil lassen sich fast eins zu eins auf den Bodensee und die Voralpenseen übertragen. Auch die Rechtslage spielt mit. Auf vielen Seen im deutschsprachigen Raum sind Verbrennungsmotoren stark eingeschränkt oder ganz verboten, reine Elektroantriebe dagegen meist zugelassen. Die Details dazu stehen im Elektroboot-Guide. Auf diesen Seen liegt ein elektrisches Premium-Dayboat einfach nahe.
Ein Wort zum Führerschein: In Deutschland gilt für Sportboote mit mehr als 15 PS Motorleistung in aller Regel die Führerscheinpflicht. Ob dein Frauscher darüber liegt, entscheidet die Konfiguration, denn die Leistung streut im Programm stark. Für die 610 San Remo nennt die Werft 4,3 bis 15 kW, für die 650 Alassio 4,3 bis 50 kW, die Porsche-Boote kommen auf 400 kW in der Spitze. Am Bodensee kommt mit dem Bodenseeschifferpatent eine eigene Regelung dazu. Auch sonst unterscheiden sich die Vorgaben je nach Revier und ändern sich immer wieder. Prüf deshalb vor der ersten Ausfahrt die aktuellen Bestimmungen der zuständigen Schifffahrtsbehörde. Dieser Abschnitt ist eine Orientierung, keine Rechtsberatung.
Du gleitest leise an den Badebuchten vorbei, ankerst für einen Sprung ins Wasser und fährst bei Sonnenuntergang gemütlich zurück in den Hafen. Für dieses Seeleben baut die Marke seit Jahrzehnten, und auf den Seen hier gehört ein Frauscher ganz selbstverständlich ins Bild.
Weit reisen musst du für einen ersten Eindruck nicht. In Gmunden am Traunsee hat die Frauscher Marina einen Showroom und Testboote aus der Elektro-Palette, gebaut werden die Boote ein Stück vom See entfernt in Ohlsdorf bei Gmunden. Von Süddeutschland aus schaffst du Hin- und Rückfahrt an einem Tag. Ansprechpartner und Termine für einen Besuch findest du über die offizielle Website.
Vor dem Kauf: praktische Punkte
Eine Entscheidung dieser Größenordnung beginnt am Wasser. Bevor du dich auf ein Modell festlegst, solltest du Folgendes für dich klären:
- Fahr Probe. In dieser Klasse zählt das Erlebnis auf dem Wasser, nicht das Datenblatt. Termine laufen über den Hersteller und seine Händler, und nach Gmunden ist es kein weiter Weg.
- Das Modell muss zu deinem Bootsleben passen. Überleg dir, mit wie vielen Personen, wie lange und wo du unterwegs bist; die Kriterien aus „Welches Modell passt zu dir?“ gelten hier noch einmal.
- Rechne über den Listenpreis hinaus. Zum Endbetrag kommen Extras, Steuern, Liegeplatz, Ladestrom, Winterlager und Versicherung, und jeder dieser Posten fällt je nach Modell und Hafen anders aus.
- Prüfe das Service- und Partnernetz. Bei einem Premium-Boot ist eine Vertretung mit Werkstatt, die du in deiner Region auch wirklich erreichst, viel wert.
Und schau dich vor der Unterschrift ruhig breiter um. Frauscher gehört zu den prägenden Namen bei Premium-Dayboats für den See, ist aber nicht der einzige. Den Marktüberblick und die wichtigsten Regeln liefert der Elektroboot-Guide, und wie sich das „fliegende“ Fahren auf Tragflügeln anfühlt, steht im Artikel über Hydrofoil-Boote.


