Die Marke
Seit 2008 baut Greenline Yachts Fahrtenyachten mit Hybridantrieb. Kaum ein Name im Bootsbau ist so eng mit dem Hybridgedanken verknüpft, und die Werft, die zur slowenischen SVP Yachts-Gruppe gehört, zählt zu den Pionieren des Segments. Die meisten Hersteller sind erst in den letzten Jahren in Richtung Elektro umgeschwenkt. Greenline ist überhaupt erst um diese Idee herum entstanden.
Vom klassischen Dayboat für den See ist Greenline weit entfernt, das gleich vorweg. Das Programm besteht aus Fahrtenyachten von 39 bis 58 Fuß Länge, also 12 bis 18 Meter, und das ist um einiges mehr Schiff, als die meisten auf heimischen Seen bewegen. Diese Seite ist vor allem für Leser gedacht, die bereits in der Yachtklasse denken. Gemeint sind Boote, auf denen man wohnt und nicht nur den Nachmittag verbringt.
Bald zwei Jahrzehnte Hybridbootsbau hinterlassen Spuren. Der Hybridgedanke ist bei Greenline kein Marketinginstrument und kein nachträglich angeschraubtes Extra, er gehört zur Marke, seit es sie gibt. Eine Greenline von heute zeigt den aktuellen Stand eines lange gereiften Konzepts, kein Experiment der ersten Generation. Im Elektrobootsbau ist so ein Vorsprung selten. Ein guter Teil der Branche lernt ja gerade erst, was hier seit Jahren Alltag ist.
Das zweite Schlüsselwort heißt Fahrtenyacht. Mit einem Dayboat verbringst du ein paar Stunden auf dem Wasser und fährst danach heim. Auf einer Fahrtenyacht lebst du, tagelang, manchmal wochenlang. Dieser Unterschied prägt das ganze Boot, von der Größe über die Aufteilung bis zum Energiebedarf und zur Art des Betriebs. Eine Greenline ist darum kein „größeres Boot“, sie ist eine eigene Gattung, an die man anders herangehen sollte.
Greenline in Bewegung
Offizielle Bilder und das komplette Modellprogramm: greenlinehybrid.com ↗

Modelle und Antrieb
Vom 39-Fuß-Boot bis zum Flaggschiff mit 58 Fuß haben alle Modelle eines gemeinsam: den hybriden beziehungsweise elektrischen Antriebsstrang. Mit dem Hybridantrieb H-Drive fährst du rein elektrisch bis rund 7 Knoten, also etwa 13 km/h, vollkommen leise und ohne Abgase. Die vollelektrische E-Drive-Variante legt laut Hersteller zu und kommt auf rund 11 Knoten. Beim Manövrieren im Hafen, beim Ankern in einer Bucht oder auf einer ruhigen Abendrunde ist dieser Modus das, was eine Greenline ausmacht.
Ganz ohne Diesel kommt auch die aktuelle Modellreihe nicht aus. Auf der Antriebsseite von greenlinehybrid.com, gelesen am 12. September 2026, steht beim H-Drive im Dieselmodus ein Generator mit 14 kW, und beim E-Drive bleibt ein Diesel als Range Extender an Bord, der den Akku nachlädt und die Reichweite streckt. Welche Modelle und Ausstattungen es gerade gibt, steht im aktuellen Angebot von Werft und Händlern. Die Modellreihe wird Jahr für Jahr weiterentwickelt, und eine Übersicht wie diese kann den jeweils aktuellen Katalog nicht ersetzen.
Die Stärke des Konzepts liegt in der Logik dahinter: ein und dasselbe Boot für zwei verschiedene Arten, unterwegs zu sein. Die elektrische Seite gehört den leisen Momenten, dem Hafenmanöver, dem Vor-Anker-Gehen in einer Bucht, der langsamen Fahrt nach Sonnenuntergang. Die Verbrennerseite übernimmt, sobald eine längere Überfahrt ansteht und die zurückgelegte Strecke zählt. Festlegen musst du dich vorab auf keinen der beiden Modi. Welcher davon passt, bestimmt immer die Situation, die du gerade vor dir hast.
Hybridbetrieb in der Praxis
Ein typischer Tag an Bord macht das Hybridkonzept greifbar. Morgens legst du rein elektrisch ab. Das Manövrieren läuft leise, ohne Abgaswolke und ohne Rucken, und in einer engen Marina weiß man das zu schätzen: Die Nachbarboote bleiben vom Qualm verschont, und du spürst sehr genau, wie das Boot auf das Ruder reagiert. Hier zeigt die elektrische Seite, was sie am besten kann.
Draußen auf offenem Wasser, mit einer längeren Etappe bis zur nächsten Bucht vor dem Bug, übernimmt die Verbrennerseite des Antriebsstrangs. Jetzt zählen die Strecke und die Fahrzeit bis zum nächsten Ankerplatz, nicht die Stille. Das Boot fährt am selben Tag auf beide Arten, und je nach Lage entscheidest du, welche an der Reihe ist.
Am Ziel fährst du wieder elektrisch. Nahe am Ankerplatz bewegst du dich langsam und vorsichtig, und dann ist es angenehm, wenn unter dir kein Motor dröhnt. Tagsüber wird gebadet, der Nachmittag gehört dem Wasser, abends beschließt eine stille Runde nach Sonnenuntergang den Tag, mit eben jenem gemächlichen Tempo von 7 Knoten, für das der Elektromodus gemacht ist.
Die leisesten Momente einer Hybridtour kommen erst nachts. Wie still ein Abend vor Anker bleibt, hängt davon ab, wie lange der Akku Kühlschrank, Licht und die übrigen Verbraucher allein trägt. Springt der Dieselgenerator an, den Greenline weiterhin verbaut, ist es mit der Ruhe vorbei. Die Einteilung des Tages entscheidet: die längeren, schnelleren Abschnitte dorthin, wo die Verbrennerseite ohnehin gebraucht wird, und den stillen Elektrobetrieb dorthin, wo die Ruhe zählt, etwa in die Bucht am Abend.

Für wen sie passt, für wen nicht
In großen Stückzahlen wird eine Greenline nicht gebaut, und für die breite Masse ist sie auch nicht gedacht. Umso nüchterner solltest du prüfen, ob sie zu deiner Nutzung passt, so wie sie tatsächlich aussieht. Gedacht ist sie für Menschen, die für Tage oder Wochen aufs Wasser ziehen und nicht bloß für ein paar Stunden. Für sie ist das Boot Unterkunft, Küche und Wohnzimmer in einem. Morgens in einer anderen Bucht aufwachen als der, in der du am Vorabend geankert hast: Wenn dich dieser Gedanke reizt, passt das Boot zu dir.
Genauso passt sie zu allen, für die Stille und abgasfreies Fahren an erster Stelle stehen, Leuten, die auf dem Wasser die Ruhe suchen und nicht das Tempo. Richtig interessant wird sie, sobald ein Liegeplatz an der Adria im Raum steht. Eine Fahrtenyacht, die auch rein elektrisch fährt, ist dort eine naheliegende Wahl, und eine, die auch in ein paar Jahren noch passt: leise in der Marina und in jeder Ankerbucht.
Nicht gemacht ist sie für alle, die ein flinkes Dayboat von wenigen Metern für den Badenachmittag oder den Wassersport suchen. Dafür ist dieses Boot zu groß und zu aufwendig. Wer nur selten und für wenige Stunden aufs Wasser kommt, würde kaum je nutzen, wofür eine Fahrtenyacht überhaupt gebaut ist, und wer Geschwindigkeit oder einen billigen, sorglosen Betrieb sucht, sieht sich besser woanders um. Die richtige Wahl ist eine Greenline dann, wenn du dieses Leben auf dem Wasser bewusst willst, mit mehr Tagen an Bord, weniger Tempo und mehr Ruhe, und es nicht bloß in Kauf nimmst.
Adria oder heimisches Revier?
Eine Fahrtenyacht von 12 bis 18 Metern ist um einiges größer als das, was auf heimischen Seen üblich ist, und so wird eine Greenline nicht für jeden eine realistische Option sein. Ein elegantes Dayboat von 6 bis 8 Metern für den See findest du eher in der Klasse von Frauscher oder bei der Werft Alfastreet, die wie Greenline aus Slowenien kommt. Spannend wird Greenline, wenn du sowieso ein Schiff dieser Größe suchst oder eine Basis an der Adria planst. Kroatische und slowenische Marinas sind bei Eignern aus dem deutschsprachigen Raum seit Jahrzehnten beliebt, und zu stillen Ankerbuchten und langsamen Hafenzonen, in denen Tempo keine Rolle spielt, passt der Elektromodus perfekt.
Auch die Geografie spricht für die Marke. Slowenien liegt näher, als viele denken: Von Süddeutschland oder Österreich aus erreichst du Werft und Adria-Händler bequem für eine Besichtigung oder Probefahrt, viel einfacher als bei einem Hersteller am anderen Ende der Welt. Auf vielen Seen im deutschsprachigen Raum sind Verbrennungsmotoren stark eingeschränkt oder ganz untersagt, und der leise Elektromodus fügt sich in diese Entwicklung ohne Bruch ein. Was auf deutschen Gewässern im Einzelnen gilt, steht auf unserer Regel-Seite, die ganze Szene im Überblick zeigt unser Beitrag über Elektroboote. Live erleben lässt sich das Hybrid- und Elektrosegment auf den großen europäischen Bootsmessen, wo es regelmäßig vertreten ist und du die Modelle ohne lange Anreise zu sehen bekommst.
Worauf du vor dem Kauf achten solltest
Manches klärst du besser mit dir selbst, bevor du dich für eine Greenline entscheidest. Abschrecken soll dich die Liste nicht, sie soll nur verhindern, dass dich hinterher etwas überrascht, was du vorher hättest wissen können. Bei einem Boot dieser Größe zählt Vorbereitung mehr als Begeisterung.
- Liegeplatz und Winterlager: Eine Yacht von 12 bis 18 Metern braucht einen festen Marinaplatz und dazu einen Plan für Sommerliegeplatz und Winterlager. Wo das Boot dauerhaft liegen soll, ob an der Adria, an der Ostsee oder an einem großen See, gehört gleich mit in die Überlegung und in die Rechnung. Ein kleines Dayboat, das nach der Saison auf den Trailer kommt, spielt da in einer ganz anderen Liga.
- Realistische Nutzung: Zähl einmal durch, wie viele Tage du tatsächlich auf dem Wasser verbringen würdest. Eine Fahrtenyacht rechnet sich, wenn du wirklich mit ihr auf Tour gehst, und nicht, wenn sie im Hafen liegt.
- Angebot einholen: Öffentliche Listenpreise sind selten, hol dir für das konkrete Modell samt Ausstattung immer ein Angebot. Palette und Konfigurationen ändern sich von Jahr zu Jahr; maßgeblich ist das aktuelle Programm von Werft und Händler.
- Live ansehen: Slowenien liegt nah genug, dass sich eine Besichtigung oder Probefahrt an der Adria vergleichsweise einfach organisieren lässt. Nutze das, denn wie sich ein Boot dieser Größe an Deck anfühlt, verrät dir kein Prospekt und kein Datenblatt.
- Erwartungen an den Elektromodus: Die rund 7 Knoten des H-Drive im Elektrobetrieb (beim E-Drive nennt der Hersteller rund 11) sind für Manöver und ruhige Runden gedacht, nicht für Eile. Mit dieser Erwartung gehst du besser in die Probefahrt als mit der Hoffnung auf Tempo.
- Regeln und Betrieb: Ob Liegeplatz an der Adria oder Nutzung auf heimischen Gewässern: Kläre Zulassung, Registrierung und die geltenden Vorschriften deines Wunschreviers vorab über offizielle Quellen.
Ein Boot dieser Größe ist kein Impulskauf, es ist eine Bindung über Jahre. Geh die Punkte vorher durch, dann sitzt du mit klarerem Kopf am Verhandlungstisch, und Liegeplatz, Nutzung und Angebot sind geklärt, bevor es ums Unterschreiben geht.



